Foto: Henrik Nürnberger

Sag mir, wo die blühenden Medienlandschaften sind…

…wo sind sie geblieben? Das Krisenlied wird auch dort angestimmt, wo es es eigentlich wenig zu jammern gibt. Das Lied von der Krise des Journalismus ist ein Ohrwurm. Ein Dauerhit, der in den letzten Jahren seinen Stammplatz in den deutschen Redaktionen gefunden hat und viel zu erzählen weiß von den goldenen Zeiten – den vergangenen – und der Zukunft – der schwarz-gemalten.

Ein Kommentar von Anne-Sophie Panzer

Wer heutzutage als junger Mensch Journalist werden will, muss sich vieles anhören, vor allem über die schlechten Zukunftsaussichten der Branche. Doch die pessimistischen Worte kommen nicht nur von besorgten Anverwandten, die eine Ausbildung bei der Bank für die eindeutig bessere Alternative halten. Auch ältere Kollegen in den Redaktionen fragen beim Mittagessen mit der Praktikantin immer wieder besorgt nach, ob man sich das wirklich gut überlegt habe mit dem Journalismus.

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Anne-Sophie Panzer / Illustration: Johanna Goldmann

Bin ich zu naiv? Haben wir wirklich Angst vor einer Krise oder eher vor der Veränderung des Altbekannten? Von Nachrichten über insolvente Printmedien sollten wir natürlich aufgeschreckt sein. Aber danach sollten wir aufwachen aus der ängstlichen Lethargie, damit der Wandel, der sich langsam zeigt, nicht ohne uns vollzogen wird. Große Profiteure des Krisenjingles sind eigentlich die Öffentlich-Rechtlichen. Doch sie stimmen mit voller Inbrunst in die wehleidige Diskussion um fallende Zuschauerzahlen ein und knopfäugig blicken die Intendanten der großen Häuser aus der Wäsche, wenn es der Belegschaft schon wieder die nächste Sparrunde zu erklären gilt. Doch sie spielen ein falsches Spiel, denn natürlich sind sie durch die sprudelnden Rundfunkgebühren nicht an den Wettbewerb des Marktes gebunden. Trotzdem werden immer wieder Zuschauerzahlen ausgewertet, als gäbe es einen Preis zu gewinnen und als hinge die Einschaltquote der regionalen Nachrichten an hoch dotierten Werbedeals.

Was bei diesem Spiel den Sendern zugutekommt, sind die Angst und der Druck, den sie aufbauen. Es geht nicht darum, zu sagen, „Wir müssen uns in diesem sowieso ungleichen Wettbewerb auch irgendwie messen und feststellen, ob das, was wir senden, auch bei den Zuschauern ankommt“ (Wobei selbst dieser Grund eine Farce ist. Denn um sich auszudenken, was im Öffentlich-Rechtlichen gesendet werden darf, dafür besetzen die „Babyboomer“ und die „Golden Ager“ schließlich erfolgreich die Rundfunkräte). Es geht bei dieser Zuschauermessung um einen permanenten Druck, der erzeugt wird, und zwar auf die Redakteure. Sie sind es, deren Leistung jeden Morgen in der Redaktionssitzung gemessen wird und trotzdem sind sie es auch, die größtenteils als freie Mitarbeiter täglich um ihre Berechtigung in der Redaktion kämpfen müssen. Wer in den Sendern fest angestellt ist, arbeitet meistens in der Verwaltung. Dass dahinter System steckt, zeigt die Tatsache, dass oftmals ganze Redaktionen aus „Freien“ bestehen und kein Journalist fest eingestellt wird, auch nicht der lang- jährige, beste Reporter im Team. Leider ist es da nur verständlich, dass Redakteure Neuankömmlingen zuallererst an die schweren Beschäftigungsverhältnisse erinnern, um ihnen klarzumachen, dass sie hier nie „das große Geld“ verdienen werden. Doch was ich während meines Praktikums viel erschreckender fand, war die knallharte Konkurrenzsituation unter den Kollegen. Klar, so eine Atmosphäre gibt es in vielen Unternehmen und teilweise ist sie auch sehr produktiv. Doch hier soll man sich jeden Tag aufs Neue aufreiben, nur um zu erhoffen, von der Redaktion wenigstens weiter mit Aufträgen bedacht zu werden. Die Zukunftsangst dieser Journalisten ist nur zu verständlich, und deshalb richtet sich mein Unverständnis auch auf die Oberen der Öffentlich-Rechtlichen, die untereinander einen Wettbewerb um Zuschauer suggerieren, wo es eigentlich ein Wettbewerb um Qualität und Anspruch sein müsste.

Ich will nicht sehen, dass man wie früher weitermacht, mit der Begründung, dass es ja „schon immer so war“ und dabei reflexhaft das Neue ablehnt. Die „neuen Medien“ sollten wir als Zeichen sehen, dass die Arbeit von Journalisten nie „überflüssig“ sein wird, sondern sich nur in ihrer Umsetzung ändert. Ich bin jung und ich will Journalistin werden, wie viele andere junge Leute auch. Und ich will, dass die Öffentlich-Rechtlichen und auch andere Medienbetriebe uns als Chance begreifen, dass unsere Zunft eine gute Zukunft haben kann, wenn sie anfangen, über einen „Wandel“ und nicht nur über eine „Krise“ zu diskutieren. Wir Jungspunde helfen ihnen übrigens gerne dabei.

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