Die Berliner Schülerzeitungslandschaft ist vielfältig. Foto: Henrik Nürnberger

Berliner Schülerzeitungen, die uns 2014 gefallen haben!

Vielfalt im Blätterwald! Die Berliner Schülerzeitungslandschaft bildet ein spannendes Dickicht an jugendeigenen Magazinen. Während die einen erst jüngst aus dem Boden sprießen, wachsen die anderen schon hoch hinaus. Wir stellen drei Ausgaben aus 2014 vor.

Von Leonard Kehnscherper und Henrik Nürnberger

 

Der Askanier

Als Newcomer legte der Askanier einen Blitzstart hin: Den zweiten Platz konnten die Redakteure vom Askanischen Gymnasium beim Berliner Schülerzeitungs-Wettbewerb gleich mit ihrer ersten Ausgabe belegen. Auch im Netz ist die Schülerzeitung gut aufgestellt.

Schon optisch setzt das professionelle Layout Maßstäbe. Mit viel Liebe wurde der Askanier gestaltet und auf Hochglanzpapier gedruckt. Äußerlich lässt sich kaum vermuten, dass es sich dabei noch um ihr Erstlingswerk handelt. Die Schülerzeitung vom Askanischen Gymnasium in Berlin-Tempelhof ist die große Überraschung des Jahres 2014.

AskanierDas Thema Datenschutz und Netzpolitik wurde in der ersten Ausgabe zum Titelthema erkoren. Insgesamt dominieren im Askanier gesellschaftspolitische Schwerpunkte: Lehrer und Experten werden zur Verbesserung des Schulklimas befragt, bei Debatten kommt die Schülervertretung zu Wort. Dabei agiert die Redaktion als kritischer Beobachter, der Vorgänge an der Schule manchmal auch scharf kommentiert. Stilistisch wird der Askanier so zu einer abwechslungsreichen Wundertüte, hinter der jedoch ein funktionierendes Gesamtkonzept steht.

Die Schülerzeitung trägt die deutliche Handschrift von Kubilay Yalçın. Als Chefredakteur und Layouter aus der 11. Klasse hat er das Medium sukzessive zu einer einprägsamen Marke weiterentwickelt. Dabei kann er vor allem auf netzaffine Unterstützer in seiner Redaktion bauen. Der Online-Auftritt ist bestechend gut gelungen. Ebenso werden die Social-Media-Kanäle rege bedient. Besonders hier bemüht sich die Redaktion, den Askanier als Plattform für Debatten zu profilieren. Das Hauptaugenmerk soll aber weiterhin auf der Printausgabe liegen. Die Redaktion bietet sogar einen Abonnement-Service für den Askanier an. Die zweite Ausgabe flatterte erst kürzlich in die Briefkästen.

OHnE

Die OHnE ist Deutschlands beste Schülerzeitung des Jahres 2014. Der Redaktion vom Heinz-Berggruen-Gymnasium ist es gelungen, als erste Berliner Schülerzeitung den Hauptpreis beim Bundeswettbewerb in der Kategorie der Gymnasien mit nach Hause zu nehmen. Der Erfolg überrascht nicht, denn schon seit vielen Jahren spielt die OHnE ganz vorne mit.

OhNECoverSeit 1997 gibt es die Schülerzeitung aus Berlin-Charlottenburg, deren Name sich aus den Initialen sich irgendwie aus den dem alten Schulnamen (Erich-Hoepner-Oberschule) zusammensetzt. Bevor sie Deutschlands Beste wurde, gewann sie im Januar bereits den Berliner Landeswettbewerb mit dem Titel: „Alle redeten vom Widerstand. Wir nicht.“ Sie gilt als DER SPIEGEL unter den Schülerzeitungen. Kein Wunder, bietet die 56-seitige Gewinner-Ausgabe doch Interviews mit Hans-Christian Ströbele und Franz Müntefering und greift Themen wie die NSA-Affäre oder die Flüchtlingsproteste in Kreuzberg auf. Auch gestalterisch ist die OHnE ein echter Hingucker.

Hinter der halbjährig erscheinenden „Semesterzeitung“ stehen 15 bis 20 Autoren, an ihrer Spitze eine dreiköpfige Chefredaktion. Dem Blattmacher-Team ist vor allem Unabhängigkeit wichtig. So finanziert sich die Schülerzeitung durch die Verkaufspreise zwischen zwei und vier Euro und Anzeigen, aber OHnE Fördergelder. Die Redaktion arbeitet auch OHnE Betreuungslehrer – und trifft sich lieber im Charlottenburger Kant Café als in der Schule. Immer wieder kommen neue Mitstreiter hinzu. Auch das Feedback in der Schülerschaft ist rege. Die Redaktion erreichen viele E-Mails und Facebook-Nachrichten. Und schließlich: Die Auflage der Schülerzeitung steigt. Anders als bei den meisten Printmedien, wie zum Beispiel dem SPIEGEL. Ob sie dessen Schülerzeitungspreis auch noch gewinnen, erfährt die Redaktion im Mai.

HertzSCHLAG

Die Schülerzeitung des Heinrich-Hertz-Gymnasiums führt den treffenden Titel HertzSCHLAG. Sie teilte sich beim Berliner Schülerzeitungs-Wettbewerb 2014/15 den ersten Platz zusammen mit der OhNE. Lange machte sich die Redaktion rar, bis sie im vergangenen Jahr mit zwei lesenswerten Ausgaben ein kleines Comeback hinlegte.

HertzschlagDie Erstausgabe der HertzSCHLAG erschien kurz nach der Wende. Damit ist die Schülerzeitung einer der traditionsreichsten der Berliner Szene. Der Name verpflichtet: In einem kompakten A5-Format – und dies so auch schon seit gut 25 Jahren – gibt es auf mehr als 60 Seiten genaue Einblicke ins Schulumfeld zu lesen. Die Redakteure behandeln „HERTZensangelegheiten“, gehen aber auch mal „SCHLAGfertig“ mit Problemen um. Das beginnt bei scheinbar harmlosen Dingen wie der sinnlosen Nummerierung von Klassenräumen und endet bei einigen Abhandlungen zum maroden Gemäuer des alten Schulbaus. Die Gestaltung ist schlicht, jedoch gekonnt und übersichtlich umgesetzt. Eine Elektrokardiogrammkurve durchläuft alle Seiten der Schülerzeitung.

Nachdem es in den vergangen Jahren etwas kriselte, gestaltet heute ein Team von bis zu 20 Redakteuren die Zeitung. Damit das „Hertz“ nicht aufhört zu schlagen, werden die jungen Redakteure aus den unteren Klassenstufen frühzeitig ins Team integriert. Wöchentlich findet eine Redaktionssitzung statt, bei der die kommenden Inhalte ausgiebig diskutiert werden. Dies schafft die entscheidende Grundlage für ein konzeptionell gutes und in sich stimmiges Gesamtbild der Schülerzeitung. Mit einer Auflagenstärke von zuletzt 200 Exemplaren, bei allerdings auch nur etwa 600 Schülern des Heinrich-Hertz-Gymnasiums, ist die Friedrichshainer HertzSCHLAG etwas für Liebhaber geblieben. Exklusivität statt Massenpamphlet!

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