Radiomacher Oskar Vitlif. Foto: Henrik Nürnberger

Oskar ohne Oskar Fm

In der Berliner Jugendpresse gibt es keinen, dessen Name so für ein Medium steht wie Oskar Vitlif. Seit 2010 ist er der Radiomacher hinter seinem gleichnamigen Magazin „Oskar Fm“ auf ALEX 88,4. Doch damit ist jetzt Schluss. Warum, erzählt er uns im Interview.

Interview: Henrik Nürnberger

Auf ALEX 88,4 gehörte Oskar Fm zum festen Programm. Zuletzt ging der Radiomacher alle zwei Wochen auf Sendung. Seit März werden keine neuen Sendungen mehr produziert. Warum?

Oskar: Von Anfang an war Oskar Fm nicht für die Ewigkeit bestimmt. Es war mein persönliches Einstiegsprojekt, um mit dem Medium Radio Erfahrungen zu machen zu machen, aber auch um redaktionelle Abläufe und Routinen zu erlernen. Nun will ich mich neuen Herausforderungen in der Medienbranche stellen. Deshalb wird es zeitlich schwer, Oskar Fm noch parallel zu gestalten. So war der Schritt nur konsequent.

Aber leicht fiel der Abschied von deinem Magazin nicht, oder? Immerhin war Oskar Fm doch weit mehr als nur ein „Einstiegsprojekt“.

Oskar: Natürlich. Oskar Fm hat mich durch meine ganze Jugend begleitet. Insofern hatte ich schon ein kleines Tränchen im Auge, als wir Ende Februar eine große Abschluss-Sendung produzierten. In dieser Sendung kamen noch einmal alle Leute zu Wort, die über Jahre das Magazin geprägt haben. Das war mir wichtig, denn so haben wir einen würdigen Schlusspunkt gefunden. Ein rundes Ende! Wir wollten uns nicht klammheimlich verabschieden. Und so schwer der Abschied auch fällt, gibt es eigentlich auch keinen Grund, um wehleidig zu sein. Eben weil es so viel Spaß gemacht hat.

Was hat dir denn am meisten Spaß gemacht?

Oskar: Highlights waren immer die Sendungen mit tollen Interviewpartnern die Lust hatten, mit uns zu quatschen. Ich erinnere mich an hervorragende Politikexperten, welche auch schwierige Probleme immer sehr interessant und bildhaft darstellen konnten. Natürlich hatten wir auch ein paar prominente Interviewgäste am Mikrofon, wie den Musiker Thees Uhlmann oder den Bestseller-Autor Philipp Möller. Besonders schön fand ich auch immer unsere Berichte von Konzerten oder Messen wie der IFA, von wo wir oft auch unter Schlafverzicht tolle Vor-Ort-Reportagen produzierten.

Egal ob über Politik, Kultur, Technik oder Sport – Oskar Fm hat selten Themen ausgelassen. Sogar Mode wurde behandelt.

Oskar: Ich hatte mit Leonie Jenning eine sehr modeaffine Klassenkameradin spontan für das Magazin gewinnen können. Fünf Jahre lang hat sie in einer Rubrik neueste Trends besprochen. Noch dazu ist sie eine interessante Type. Aber es stimmt: Oskar Fm hat immer sehr viel verschiedene Themen behandelt, aber nie in der Weise, dass wir wahllos und halbgar Inhalte produziert haben. Mir war wichtig, ein möglichst abwechslungsreiches Programm zu entwickeln, welches dem Profil eines Magazins entspricht. Aus allen Bereichen gab es so immer einen möglichst aktuellen Schwerpunkt.

All das ist jetzt Geschichte. Du hast von neuen Herausforderungen gesprochen. Wo liegen die?

Oskar: Mein Ziel war es immer, bei Radiostationen anzufangen. Also hab ich versucht, mich mal bei verschiedenen Sendern vorzustellen. Dabei ist es natürlich immer schwer, verantwortliche Stellen dazu zu bewegen, sich eigene Beiträge anzuhören. Nach dem Abi habe ich erstmal ein Praktikum beim Schlagersender B2 gemacht. Das mag für viele vielleicht nicht sonderlich sexy klingen, aber das Team war echt großartig. Und was ich vor allem beachtenswert fand: Der Sender bietet ein journalistisches Vollprogramm mit gut recherchierten Inhalten. Nach den drei Monaten dort habe ich ein weiteres Praktikum bei RS2 angefangen, wo ich seitdem moderiere. Ich hatte das große Glück, dass sich der Programmchef Rik De Lisle meine Hörproben anhörte und daraufhin grünes Licht für erste Live-Moderationen gab. Zu hören war ich dann unter der Woche in der Nacht von 4:00 bis 5:00 Uhr.

Also nichts für Langschläfer!

Oskar: Für mich war das super, um zunächst ein Gefühl für den Radiosender zu bekommen. Dafür braucht man Zeit, nicht nur um die Sprache zu studieren, sondern auch um die Mentalität des Senders zu verstehen. Ich habe da einiges ausprobiert, worauf ich überraschend viel Feedback bekommen habe, durch welches ich mich weiter verbessern konnte. Ab Januar hab ich dann immer Freitag- und Sonntagfrüh von 6:00 bis 8:00 Uhr moderiert, also die Morning Show am Wochenende. Mir macht es sehr viel Spaß am Morgen zu senden. Innerhalb der Woche arbeite ich ganz normal in der Redaktion. Ab Ende April werde ich vertretungsweise die neuesten Verkehrsmeldungen ansagen.

„Ich habe noch immer einen wahnsinnigen Respekt vor meinen Kollegen“

Oskar Vitlif

Wo geht es demnächst noch hin?

Oskar: Ein ganz bestimmtes Ziel habe ich nicht. Ich nehme erst einmal jede Chance wahr, allerdings immer mit dem Anspruch, mich als Journalist weiterzuentwickeln. Fest steht: Ich möchte guten Journalismus machen, also kritisch sein und auch komplexe Zusammenhänge behandeln. Deshalb will ich demnächst auch auf eine Journalistenschule gehen oder Journalismus studieren, um meine Fähigkeiten zu verbessern.

Welche Tipps hast du für junge Menschen, die gern Erfahrungen mit dem Medium Radio sammeln möchten?

Oskar: Auch wenn es zunächst doof klingt und auch ein alles andere als motivierender Tipp ist: Man muss wissen, dass Radiomachen oft gar nicht so einfach ist wie man denkt. Das betrifft nicht nur den technischen Aspekt, sondern vor allem den Umgang mit der Sprache: Den Hörer bei der Stange zu halten ist eine Kunst, die oft erst Profis mit langer Berufserfahrung mit einer Leichtigkeit beherrschen. Ich habe noch immer einen wahnsinnigen Respekt vor meinen Kollegen. Aber zurück zur Frage. Auf jeden Fall sollte man Radio ausprobieren! Zunächst sollten Interessierte einen niederschwelligen Einstieg finden, um die eigene Fertigkeit und Interesse am Medium auszutesten. Kompakte Workshops bieten sich da besonders gut an. Dabei möchte ich natürlich den Radio-Workshop auf dem Jugendmediencamp zu Pfingsten nicht unerwähnt lassen. Und das nicht, weil ich selbst der Workshop-Leiter bin, sondern vor allem weil das Camp motivierte Teilnehmer zusammenführt. Das macht einfach viel Freude – und das ist wichtig.

Und wer dort Blut geleckt hat…?

Oskar: …sollte dann mal bei einem offenen Kanal wie ALEX 88,4 ein Sendungskonzept einreichen und nach ein paar Testsendungen vielleicht mit einem eigenen Format an den Start gehen. Eine andere Möglichkeit bieten natürlich die Internetradios, bei denen häufig Moderatoren gesucht werden. Das kann man auch von Zuhause aus machen, wobei das natürlich eine gewisse technische Ausstattung voraussetzt. Im Grunde gibt es im Internetzeitalter natürlich sehr viele Einstiegsvarianten. Wer wirklich Radio machen will, der findet auch Möglichkeiten.

Das Interview erschien im JUPMA #4, Frühling 2015

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