Praktikum in den Medien

Kaffeekochen? Nicht mein Bier! Praktika in den Medien bieten einmalige Erfahrungswerte und sind gut für den Lebenslauf – wenn du es richtig angehst. Wann ein Praktikum sinnvoll ist, was es zu beachten gibt und wie du Hürden erfolgreich meisterst: JUPMA liefert Antworten und Erfahrungsberichte aus der Jungen Presse Berlin.

Von Henrik Nürnberger und Daniel Rottinger

 

Praktikant, Hospitanz, Werkstudent: 

Über was reden wir eigentlich?

Laut Berufsausbildungsgesetz (BBiG) dient ein Praktikum der Ausbildung. Das Lernen steht im Vordergrund. Diesen besonderen Charakter haben auch Gerichtsurteile bestätigt. Ein Praktikum – beim Rundfunk auch gern als Hospitanz bezeichnet – ist also kein Nebenjob, sondern dient vor allem dem persönlichen Erfahrungsgewinn. Im Gegensatz zur Position eines Arbeitnehmers, dürfen Praktikanten somit auch nicht voll in Betriebsprozesse eingeplant werden. Anders ist es bei sogenannten Werkstudenten, die keine Praktikantentätigkeit ist. So sollte sich die Arbeit der Werkstudenten deutlich von der eines Praktikanten unterscheiden, sagt Anja Schuth, Head of Editorial Management bei GMX und Web.de. „Sie müssen auch mal am Wochenende arbeiten und mehr Leistung erbringen. Der klassische Praktikant steht dagegen unter einer Art Welpenschutz und muss nicht von Tag eins an alles wissen.“ Dies gilt besonders für Schülerpraktika, wie sie in Berlin und Brandenburg Pflicht sind. Diese „Schnupperpraktika“ dienen laut der Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju in ver.di) lediglich dem Kennenlernen und weniger der Ausbildung. Typische Praktika sind jene, die freiwillig oder als Pflichtleistung im Studium absolviert werden.

 

Die grundsätzliche Überlegung 

Was will ich – und was nicht?

Natürlich willst du mit einem Praktikum einen Einblick in die Medienproduktion bekommen und deinen Lebenslauf mit guten Adressen anreichern. Aber soll es das schon gewesen sein? Sicher möchtest du auch handfeste Erfahrungen sammeln, aktiv mitarbeiten, Kontakte knüpfen, journalistische Referenzen erarbeiten und idealerweise auch noch etwas Geld dafür bekommen, dass du deine Schul- oder Semesterferien opferst. Hohe Ansprüche haben Redaktionen aber auch an dich: Sie wünschen sich pflegeleichte Praktikanten, denn eine Rundumbetreuung kann sich kaum eine Redaktion leisten. Scheint den betreuenden Redakteuren der Aufwand mit dir zu hoch, wartest du vergeblich auf deine Chance. Womöglich wäre deine abgesessene Zeit besser in eigene Projekte oder Jugendmedien-Workshops investiert, vor allem, wenn du noch ganz am Anfang stehst und bisher kaum Erfahrungen sammeln konntest. Geht es dir um das Erlernen des Handwerkszeugs, bieten sich zumindest viele weitere und manchmal sogar bessere Alternativen zum Praktikum, die du immer in Erwägung ziehen solltest.

In einem Punkt ist das Praktikum aber weiterhin unersetzbar: Es vermittelt dir ein detailliertes Bild vom echten Berufsalltag in Redaktionen. Radikal räumt es mit falschen Vorstellungen auf. Auf ein böses Erwachen solltest du es dennoch lieber nicht anlegen. Umso deutlicher muss dir klar sein, welche Ziele du verfolgst und ob dein gewünschter Praktikumsplatz diesen gerecht werden kann. Willst du vor allem aktiv mitarbeiten, sind es nicht immer die „großen Namen“ der Medienwelt. Oft sind es vor allem kleine Lokalredaktionen oder Produktionsfirmen, die dir ein optimales Umfeld für eine sinnvolle Mitarbeit bieten. Wichtig auch: Was bringst du selbst mit? Dankbar zeigen sich Chefredakteure, wenn du eigene Themenvorschläge und Vorstellungen für dein Praktikum mitbringst. Suche dir also auch bewusst Redaktionen oder Ressorts, in denen Themen behandelt werden, die dich begeistern und bei denen du auch selbst aktiv mitwirken kannst.

Stéfani Beatriz Moreno Mammel

Stéfani Beatriz Moreno Mammel / Illustration: Johanna Goldmann

„Hartnäckig ans Ziel“

Mit zarten 13 Jahren bin ich damals frech vor die Geschäftsführer einer Design- und Kommunikationsfirma getreten, um mich für ein Sommerpraktikum zu bewerben. Die Antwort: „Deine Qualifikationen reichen nicht aus, um dir sinnvolle Aufgaben geben zu können. Es tut uns leid, aber du kannst wieder kommen, wenn du die Programme erlernt hast.“ Dies war das Ergebnis meines ersten kläglichen Versuchs.

Trotz der Enttäuschung war die zunächst fixe Idee nun fest in meinem Kopf verankert. Da Aufgeben keine Option war, musste ich mir demnach etwas einfallen lassen. Eine kleine Recherche genügte, um zu sehen, dass es Kurse gibt, in denen man die diversen Adobe-Programme beigebracht bekommt, wie zum Beispiel: Photoshop, Illustrator und vor allem InDesign. Ich habe mich letztendlich für die Volkshochschule entschieden, da diese für Schüler ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis anbietet. Da man mit 14 noch nicht das Mindestalter erreicht hat, bin ich persönlich zur Anmeldung hingegangen und konnte mich so reinschmuggeln. Der Plan ging jedes Mal auf. Nach zwei InDesign-, zwei Photoshop-Kursen, einem Illustrator-Kurs, weiteren Workshops und Probestudien an zwei Hochschulen, probierte ich es im Sommer darauf zum zweiten Mal. Die Überraschung stand ihnen ins Gesicht geschrieben, als ich ihnen nun erneut meine Bewerbung vorlegte. Ich bekam meine Chance, auf die ich solange hingearbeitet hatte. Drei Wochen lang durfte ich Erfahrungen sammeln, wie solch eine Firma funktioniert. Auf der Tagesordnung standen Brainstormings für neue Projekte, Recherchen und die gestalterische Ausarbeitung vom Layout bereits konkretisierter Konzepte. Bis heute bin ich dankbar und froh einen Einblick ermöglicht bekommen zu haben, was es bedeutet mit Medien zu arbeiten. Zudem hoffe ich, dass jeder, der ähnliches vorhat und das hier liest, sich davon ebenso wenig abschrecken lässt, wie ich. Mehr als ein „nein“ kannst du nicht bekommen. Und wie hat mal Friedrich Nietzsche gesagt: „Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel.“

Wichtg zu kennen 

Welche Rechte und Pflichten habe ich?

Ein Praktikumsvertrag ist kein „nice to have“, sondern sollte immer vor Praktikumsbeginn geschlossen werden. Darin sollten die Dauer und Arbeitszeiten, mögliche Urlaubstage, der Praktikumsbetreuer und die Art der Tätigkeit geklärt werden. Zwar gilt im Zweifel auch ein mündlicher Vertrag, aber im Streitfall bist du mit einem ordentlichen Schriftstück auf der sicheren Seite. Noch dazu müssen Empfänger von Berufsausbildungsförderung den Vertrag später beim Amt vorlegen, da hieraus die Vergütung – in der Regel die Nicht-Vergütung – des Praktikums belegt wird.

Sollten Praktikanten nicht grob fahrlässig agieren, sind sie ausgenommen von Schadensersatzzahlungen, sollte es zu einem Missgeschick im Rahmen der Tätigkeit kommen. Der im Punkt 1 beschriebene Charakter eines Praktikums muss gewährleistet sein. Ein Arbeitstag sollte acht Stunden nicht überschreiten. Längere Arbeitszeiten und Sonntagsarbeit müssen durch Freizeit innerhalb von zwei Wochen kompensiert werden. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch haben Praktikanten am Ende ein Recht auf ein Zeugnis – die begehrte Referenz für den Lebenslauf.

Zu den Pflichten gehören, dass Praktikanten Betriebsgeheimnisse wahren. Sie müssen Weisungen folgen, darüber hinaus haben sie Sorgfalts- und Treuepflicht. Sie müssen selbst krankenversichert sein, was bei Schülern und Studenten zumeist über die Familienversicherung oder studentische Tarife passiert. Darüber hinaus bleiben sie sozialversicherungsfrei. Abgaben zahlen nur der Arbeitgeber, sollte das Praktikum vergütet werden. Dabei gelten die normalen Regelungen wie für geringfügig Beschäftigte und betriebliche Auszubildende. Zu beachten gibt es für Praktikanten gegebenenfalls bestimmte Verdienstgrenzen beim Praktikum, da Vergütungen zum Beispiel auf das BAföG oder Wohngeld angerechnet werden.

 

Anne-Sophie Panzer / Illustration: Johanna Goldmann

„Wenn auch nur für ein paar Schnittbilder“

Nach dem Bachelor wollte ich Praxiserfahrungen sammeln. Ich war erst drei Monate bei der Nachrichtenredaktion „Brandenburg aktuell“ des RBB in Potsdam und danach noch für zwei Monate beim Investigativmagazin „Frontal 21“ in Berlin. Auch wenn ein deutschlandweit bekanntes Wochenmagazin versus „Dorfhannes“ für Regionalnachrichten zunächst nach einem klaren Favoriten klingen mag, sprechen meine Erfahrungen tatsächlich etwas dagegen.

Klar, beide Praktika haben mir viel gebracht; ich habe viel über Redaktionsabläufe und Arbeitsweisen von Journalisten kennengelernt – und natürlich das Fernsehmachen selbst. Aber die Häufigkeit, wie oft eine Sendung ausgestrahlt wird, beeinflusst natürlich auch, wie oft der Praktikant „auch mal randarf“. Beim täglich gesendeten „Brandenburg aktuell“ lief ich einige Tage erstmal mit und wurde dann ins kalte Wasser geschmissen und mit einem Kameramann mit den Worten losgeschickt: „Wir brauchen ein paar O-Töne für die NiF!“ Richtig cooles Gefühl, man braust das erste Mal mit dem Ton- und dem Kameramann im offiziellen RBB-Auto davon und ist sozusagen der verantwortliche Redakteur – wenn auch nur für ein paar Schnittbilder.

„Frontal 21“ im Gegenzug produziert wöchentlich nur eine Sendung, dafür haben die Redakteure natürlich mehr Zeit und Mittel zur Verfügung, um zu recherchieren und den Beitrag zu produzieren. Das ist der Knackpunkt für uns Praktikanten. Wenn man interessiert an jede Redakteurstür klopft, darf man natürlich das ein oder andere mitrecherchieren und wenn sich die Gelegenheit ergibt, bei Drehs mitfahren. Aber einen eigenen Beitrag erstellen, das ist ziemlich unmöglich. Wer clever ist, schlägt eigene Themenideen vor und zeigt so Engagement.

Wer sucht, der findet

Wo finde ich eine Praktikumsstelle?

Im Wesentlichen bieten sich drei Wege, um eine Praktikumsstelle zu finden. Da wäre zum ersten die aktive Nachfrage bei dem favorisierten Medium. Manchmal finden sich auch in der Onlinepräsenz Hinweise darauf, ob Praktikanten gewünscht sind und was konkret erforderlich ist. Es lohnt sich ein Anruf beim für Praktikanten zuständigen Redakteur oder auch eine Anfrage per Mail, um Klarheit über Möglichkeiten für ein Praktikum zu haben.

Die zweite Möglichkeit ist die Suche nach konkreten – wenn auch eher seltenen – Ausschreibungen von Praktikumsstellen. In Online-Stellenbörsen lässt sich gezielt nach offenen Plätzen suchen. Neben berufsübergreifenden Plattformen gibt es auch spezifische Jobbörsen für den Medienbereich wie dwdl.de/jobboerse oder auch karriere.media.de. Doch nur allein darauf setzen solltest du nicht: Zweidrittel aller offenen Stellen in Deutschland werden nie oder nur innerhalb bestimmter Netzwerke ausgeschrieben. Bei den ohnehin nur sehr kurzen Praktika ist der Aufwand für eine Ausschreibung für Redaktionen verhältnismäßig hoch. Zudem sind Unternehmen, die gezielt nach Praktikanten suchen, eher im Verruf, günstige Arbeitskräfte rekrutieren zu wollen.

So bleibt noch die dritte Variante die da schlicht heißt: Netzwerken. Versuche dir gezielt, Infokanäle wie Mailverteiler zu erschließen. Dabei sind auch die Jugendpresseverbände eine gute Anlaufstelle. Vereine wie die Junge Presse Berlin fördern darüber hinaus mit Medienstreifzügen, Diskussionsrunden oder anderen Veranstaltungen immer wieder den direkten Austausch zwischen Nachwuchsjournalisten und Profis aus der Praxis. Nutze die Möglichkeit, um darüber direkt auf Redakteure und Medien zuzugehen. Initiativbewerbungen landen im schlimmsten Fall ungelesen auf irgendeinem Tisch in der Redaktion – wer sich dagegen schon einmal beim zuständigen Redakteur bekannt machen konnte, hat bessere Karten. Natürlich mag das nervig und oft genug auch sehr ungerecht sein, doch auch verschiedene statistische Erhebungen haben ergeben, dass in der Berufswelt mindestens jede vierte Stelle über „Vitamin B“ vermittelt wird.

Sophia

Sophia Förtsch / Illustration: Johanna Goldmann

„Es geht auch ohne Vitamin B“

Ein Jahr und zwei Monate. Genau diese Zeit hat es gebraucht, bevor ich ein Praktikum im Medienbereich bekommen habe. Im Zuge meines Studiums der Kunstgeschichte musste ich ein Pflichtpraktikum absolvieren. Für mich war klar: Ich will in den Kulturjournalismus. Ich begann meine Suche nach passenden Stellen bei der Praktikumsbörse des Institutes. Recht schnell hatte ich auch Angebote gefunden. Nachdem ich meine Bewerbung geschrieben und noch einmal überprüfen lassen habe, ging es los. Ich schickte in der ersten Runde um die fünf Bewerbungen ab. Von manchen bekam ich eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, andere haben sich bis heute nicht gemeldet. Motiviert trat ich mit voller Hoffnung das Gespräch an. Danach durfte ich monatelang zappeln, bis ich gesagt bekam, dass sie jemanden gefunden haben. Etwas niedergeschlagen machte ich mich weiter auf die Suche – vergrößerte meinen Wunschbereich – und bekam im Herbst wieder eine Einladung zum Gespräch, diesmal wurde mir noch in derselben Woche abgesagt. Ziemlich frustrierend, denn an meinem Lebenslauf konnte es nicht liegen. Ich habe schon einige gute Vorerfahrungen im journalistischen Bereich gesammelt und immer wurde mir gesagt, dass es nicht an meinem Qualifikationen läge.

Meine Erkenntnis: Vitamin B ist von Vorteil. Wenn ich einen Platz in den Medien haben möchte brauche ich Kontakte. Nach einem erneuten Gespräch, mit erneuter Absage, wollte ich die Flinte schon ins Korn werfen. Anfang des Jahres schickte ich in meiner dritten Runde erneut Bewerbungen an verschiedene Medien in Berlin, die ich mir selbst im Internet zusammengesucht habe. Das meiste waren Initiativbewerbungen. Diesmal ging ich die Sache etwas anders an – ich musste auch ohne Kontakte auf mich aufmerksam machen. Ich schrieb einfach eine kreativere Bewerbung. Prompt haben die Fische angebissen, denn es folgten Einladungen zu Gesprächen. Letztendlich bin ich aber nicht im journalistischen Bereich gelandet, sondern beim Film. Während dieses Praktikums hatte ich überraschende Post im Briefkasten: einen Praktikumsvertrag. Ohne Vorstellungsgespräch? Ich informierte mich. Der Zeitraum passte nicht. Ich fragte erneut nach und hatte damit eigentlich schon abgeschlossen. Mitte März jedoch lag erneut ein Vertrag in meinem Briefkasten. Diese Chance ließ ich mir nicht entgehen und nach meinem Filmpraktikum, konnte ich anschließend endlich in eine Kulturredaktion. Ich habe die Chance auf eine vierwöchige Hospitanz bekommen. Auch wenn es Anfangs nicht so aussah, als ob ich überhaupt ein Praktikum bekommen würde, hat es sich gelohnt. Aufgeben zählt nicht. Entmutigen lassen auch nicht – das hab ich besonders gelernt. Und: Kontakte sind zwar von Vorteil, aber man kann es auch ohne schaffen.

Die gelungene Selbstvermarktung

Wie bewerbe ich mich richtig?

Da einige Redaktionen sehr langfristig ihre Kapazitäten für Praktikumsstellen planen, ist es wichtig, sich frühzeitig zu kümmern. Oft gibt es auch einen bestimmten Turnus für Praktikanten, besondere Anforderungen oder vielleicht sogar ein generelles Desinteresse: All das solltest du wissen, um keine Zeit mit letztlich erfolglosen Initiativbewerbungen zu vergeuden. Hilfreich ist auch deshalb ein Anruf bei der zuständigen Stelle in der Redaktion.

Grundsätzlich sind die Anforderungen an eine gute Bewerbung für ein Praktikum nicht anders als für jede andere Stelle im Medienbereich. „Ein absolutes Must-Have ist nach wie vor eine fehlerfreie Bewerbung“, sagt Anja Schuth, Head of Editorial Management bei GMX und Web.de. Klar werden soll nach Schuth vor allem, warum man sich für ein Praktikum interessiere und was man mit dem Praktikum in der Redaktion erreichen möchte. Gleiches gilt auch bei der Berliner Morgenpost, wo Redakteurin Andrea Huber Praktikanten betreut. Auch bei Schülern ist ein „sprachlich überzeugendes Motivationsschreiben wichtig“, sagt sie. Dazu seien Arbeitsproben immer von großem Vorteil, zum Beispiel Artikel aus der Schülerzeitung. Referenzen sollten vor allem Studenten vorlegen, ganz egal ob bereits verfasste Artikel, produzierte Videos oder ein eigener Blog. „Aus der Bewerbung muss erkennbar sein, dass der Betreffende für den Journalismus brennt“, sagt Huber. „Für einen Bewerber spricht auch, wenn er belegen kann, dass er eine gute Allgemeinbildung hat, vielseitig aktiv und interessiert ist“.

 

Ohne Moos ist leider ziemlich viel los

Wie ist das mit dem Geld?

Nach §22 Mindestlohngesetz gelten Ausnahmen, wonach kein Grundgehalt für Praktikanten gezahlt werden muss – vorausgesetzt, dein Praktikum dauert weniger als drei Monate und du befindest dich noch in einem Ausbildungsverhältnis wie dem Studium. Andernfalls steht dir rechtlich der Mindestlohn zu. Dauerpraktika à la „Generation Praktikum“ sollen damit verhindert werden. In der Praxis scheint das Gesetz in diesem Punkt zu greifen: Ausufernde Praktikumszeiten von über drei Monaten scheinen zurückgegangen zu sein, gleichzeitig aber auch das Angebot von Praktikumsstellen für Hochschulabsolventen, die sich Medienhäuser nun nicht mehr leisten wollen.

Der überwiegende Teil der Praktikanten die freiwillig oder verpflichtend im Rahmen der schulischen Ausbildung, des Studiums oder der Berufsakademie ein Praktikum unter drei Monaten absolvieren, können also kein Geld erwarten. Und das ist im Medienbereich leider die Regel – selbst bei den öffentlich-rechtlich finanzierten Redaktionen. Immerhin haben einzelne Häuser Regelungen getroffen, dass an Praktikanten zumindest kleine Vergütungen gezahlt werden. Laut Betriebsvereinbarungen, die JUPMA vorliegen, zahlt beispielsweise die Axel Springer AG Praktikanten 400 bis 500 Euro monatlich. Auch Praktikanten bei Medien des Berliner Verlags erhalten immerhin Geld in Minijobhöhe und einige Vergünstigungen.

Unbezahlte Praktika prangern Gewerkschaften und Jugendpresseverbände an. Doch es liegt auch an dir, dich nicht unter Wert zu verkaufen, Angebote gut zu prüfen und das Thema Geld ohne Scheu anzusprechen. „Du bist mehr wert“ lautet deshalb auch der Titel der Praktika-Offensive der Jugendpresse Deutschland, des Deutschen Journalisten-Verbandes und der Deutschen Journalistinnen- und Journalistenunion in ver.di, die dazu Richtlinien erarbeitet haben.

Anne-Sophie Panzer / Illustration: Johanna Goldmann

Anne-Sophie Panzer / Illustration: Johanna Goldmann

„Ohne Nebenjob war das nicht zu leisten“

Ein Knackpunkt bei Praktika bei den Öffentlich-Rechtlichen ist das liebe Geld. Für Pflichtpraktika bis drei Monate Länge ist auch heute noch niemand verpflichtet, dir auch nur einen Cent zu zahlen. So halten es auch die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Ich rede hier nicht von Honoraren, die ausgebildeten Journalisten zustehen sollten, sondern etwas, womit man in der Zeit zumindest seine Miete noch bezahlen kann. Die politische Frage will ich hier nicht diskutieren, dafür aber ein paar praktische Tipps aus meiner Erfahrung geben: Ich hab mir zuallererst einen Nebenjob gesucht, der zeitlich außerhalb des Redaktionsalltags lag, nämlich Kellnern am Abend. Zudem habe ich meinen Studentenstatus aufrechterhalten mit irgendeinem kleinen offiziell belegtem Kurs, damit ich weiterhin das Semesterticket mit all seinen Vergünstigungen nutzen konnte. In Berlin kann man auch Wohngeld beantragen, wenn das Einkommen unter einer bestimmten Schwelle liegt. Allerdings dauert die Beantragung ewig, man muss sich genauso nackig wie beim BAföG-Antrag machen und zudem kam das Geld bei mir erst vier Monate nach Antragstellung an. Ich bekam glücklicherweise in dem Zeitraum auch noch Kindergeld. Das Ganze war offensichtlich sehr auf Kante genäht, aber bei mir hat es irgendwie geklappt. Ich habe es immer so gehalten, meine Situation in der Redaktion klar zu schildern, wann ich spätestens Schluss machen musste, weil mein Zweitjob auf mich wartet. Das kann und wird euch auch niemand übel nehmen.

„Ein unbezahltes Praktikum ist für mich kein KO-Kriterium“

Daniel

Daniel Rottinger / Illustration: Johanna Goldmann

Ist ein Praktikum ohne Bezahlung ein absolutes No-Go für mich? Nein, in einzelnen Situationen mag das auch mal okay sein. Bei meiner Suche nach einem passenden Praktikum bin ich etwa auf eine Stelle aufmerksam geworden, bei der keine Vergütung vorgesehen war. Dennoch hatte ich die Jobofferte noch lange auf meiner Wunschliste – bis ich später woanders einen richtigen Arbeitsvertrag angeboten bekam.

Das Praktikum versprach sehr lehrreich zu werden und die Betreuung durch ein mir bekanntes Vorbild, den Radiomacher Daniel Fiene, war verlockend. Zwar wäre schmerzlich gewesen, den fehlenden Lohn mit meinen finanziellen Rücklagen auszugleichen, doch die Option wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ich meine, dass sich Erfahrungswerte und die Betreuung durch einen tollen Mentor manchmal mit Geld nicht so leicht aufwiegen lassen.

 

Weniger ist manchmal mehr

Wieviel Praktikum ist gut?

Praktika nach dem Studium werden von Gewerkschaften wie der dju abgelehnt, da sie weder den Lebenslauf schmücken, noch dem Profil eines Absolventen entsprechen. Das Praktikum soll dir Einblicke bieten, darf aber keine Warteschleife für ein dauerhaftes und vor allem berufliches Engagement sein. Insofern lohnt es, sich um eine echte Jobperspektive zu bemühen oder sich freie Tätigkeiten für Medien zu suchen. „Ein Praktikum ist gut, solange es während der Schulzeit, zwischen Abi und Studium und während des Studiums ist“, sagt Susanne Stracke-Neumann, Koordinatorin der Jungen dju. Nach ihrer Erfahrung, etwa aus den Gesprächen mit Verlagsleuten, wirken Praktika nach dem akademischen Abschluss – noch dazu wenn sie kaum bezahlt werden – nicht mehr positiv auf Personalchefs. Das ergab auch eine Untersuchung der DGB-Jugend.

 

Ich weiß nicht weiter

Wer kann mir helfen?

Gewerkschaften sind nicht erst für Berufstätige da! Einsteiger in den Medien finden bei der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (ver.di) und dem Deutschen Journalistenverband (DJV) immer Ansprechpartner zu arbeitsrechtlichen Fragen und Problemen. Während des Praktikums sind Betriebsräte – bei den öffentlich-rechtlichen Sendern Personalräte – auch für Praktikanten zuständig und bieten Unterstützung.

Für das Netzwerk und den persönlichen Erfahrungsaustausch bieten die Jugendpresseverbände wie die Junge Presse Berlin und der Jugendpresseverband Brandenburg gute Ansprechpartner, Tipps sowie Anregungen für die eigene Karriereplanung. Über Mailverteiler werden oft auch gute Praktika-Angebote weitergeleitet. Darüber hinaus bieten die Verbände mit Praxisworkshops auch eine Reihe alternativer Betätigungsmöglichkeiten an, die für den Lebenslauf mindestens genauso vorteilhaft sein können.

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